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« O gentilshommes, la vie est courte, si nous vivons, nous vivons pour marcher sur la tête des rois. »

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Die Utopie

Freitag 12. November 2010

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Schon seit längerer Zeit will ich etwas über gewisse Themen schreiben und nachdem ich einige Texte gelesen habe, glaube ich zu verstehen, dass das jene worüber ich schreiben will, ein Gefühl ist das auch bei anderen Gefährten anwesend ist.

Es geht um eine Anforderung ich schon immer gehabt habe und die niemals gewichen ist, im Gegenteil, in der letzten Zeit hat sie immer mehr Platz in meinen Gedanken eingenommen: ich spreche von der Utopie. Die Idee der Utopie verfolgt mich mit einem neuen und heftigen Nachdruck, und wer weiss, vielleicht weil ihre Suche langsam aber unerbittlich weniger obsessiv anwesend ist, im Herzen von was wir als anarchistische Bewegung definieren können. Diesen Eindruck habe ich zumindest.

Vielleicht kommt es durch die Desillusionen der vergangenen Jahre, die heute als Niederlagen abgetan werden, durch die Ermüdung der Aufsehen erregenden Schläge (eher moralisch als physisch) die immerzu bereitstehen wenn man kämpft und dabei habe ich es noch nicht über die Perspektive die besagt, dass deine wildesten Träume nie Gestalt annehmen werden, aber es scheint mir als ob ein gewisser Trend in der Luft hängt, der sich mit weniger zufrieden stellt: es ist besser einen kleinen Kampf zu gewinnen der uns ein wenig Moral einbläst, als nochmals eine Niederlage zu untergehen gerade wenn wir denken, dass ein definitiver Sieg in Reichweite liegt. Es ist besser die Dinge dieses miserablen Bestehens ein bisschen anzupassen, als das Risiko zu nehmen sie nie verbessern zu können wenn man nach einer definitiven Umwälzung stirbt. Was diese Zeiten uns bieten ist eine permanente Suche nach Anpassungen an Situationen und genau das verdrängt die Spannung, die uns davon abgehalten hat uns anzupassen; die Raserei womit etwas um jeden Preis getan wird um sich ein wenig lebendig und aktiv zu fühlen, trägt das Risiko in sich die analytische Kapazität auf die Seite zu legen, wie auch die Kritik, die für das entwickeln einer eigenen Projektualität nötig ist. Es gelingt uns sogar dasselbe zu tun wie alle anderen und zu sprechen wie alle anderen weil wir denken, dass eine andere Sprache uns unverständlich machen würde und wir somit das Risiko eingehen würden, in Isolation zu verbleiben. Wir nehmen alle an denselben Kämpfen teil und als ob das noch nicht genug wäre, tun wir es auch noch gleich alle auf dieselbe Weise. Wir wenden dieselben, nach einiger Zeit Sterilität verursachenden Mittel an, nur um dann zu entdecken, dass wir unsere kreativen Kapazitäten begraben haben, indem wir zu engmaschig dem Parcours gefolgt sind, den die anarchistische Bewegung in der Vergangenheit gegangen ist. Nur um zu entdecken, dass wir die Vorstellung die wichtig ist für das Weiterführen der Kämpfe die wir angegangen sind, geschwächt haben…

Und wie steht es mit diesen Kämpfen? Als Mittel auf dem Weg nach etwas umfangreicherem und grandiosem, besteht die Gefahr, dass die Kämpfe ein Ziel an sich werden und dass wir auf diesem Weg die Utopie verlieren. Es kommt immer seltener vor, dass ich mit Gefährten über grössere Träume spreche. Dabei meine ich nicht die Tagträume die wir wieder zur Seite legen wenn wir unsere Fantasien von uns abschütteln, sondern ein sublimes Verlangen, nach dem wir uns richten, als etwas wonach man streben will, versuchen zu realisieren. Die Utopie ist für mich keine Trauminsel die nicht besteht in dieser Welt, sondern etwas das das Blut zum Herzen und zum Gehirn jagt, eine Idee die keinen Waffenstillstand zulässt; die Spannung ist es, die mich zum Handeln drängt und gleichzeitig das Bewusstsein das es zulässt, über die Angst zu siegen. Die Utopie ist einer der Gründe warum ich Anarchist bin weil einzig sie mir die Möglichkeit zu kämpfen bietet. Nicht nur für eine neue Welt, sondern für etwas das noch nie Realität gewesen ist. Das ist meine Utopie: der Versuch etwas wahr zu machen, das noch nie in Erfüllung gegangen ist, das Streben um in einer Welt leben zu können, die nicht die Welt von heute ist aber auch nicht jene die vor tausenden von Jahren bestanden hat. Etwas das wir einzig während dem Moment eines aufständischen Bruchs ausprobieren können, ein Moment der nichts weiter bedeutet als die Öffnung einer Möglichkeit, die es mir erlaubt mich nach einem tiefen Abgrund zu begeben und Höhenangst zu erleben, die Möglichkeit hinnehmend, dass sich in der Tiefe entweder etwas schrecklich Faszinierendes oder etwas absolut Furchtbares befindet. Kurzum, ein Sprung ins Unbekannte, ohne im Vornherein zu wissen wie die Gesellschaft wonach ich verlange aussehen muss, sondern beginnend mit dem, wonach ich verlange. Das Undenkbare denken als Grundvoraussetzung, um nach dem Unmöglichen streben zu können.

„Derjenige der von Beginn an ans Ende denkt, der das Bedürfnis nach Sicherheit hat, um dieses Ende zu erreichen noch bevor er begonnen hat, derjenige wird sein Ziel nie erreichen.“
A. Libertad

Subversive.noblogs.org


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